Event

Kuratorengespräch: „Wien 1924. Station der Avantgarde“

Foto: Katalog zur „Internationalen Ausstellung neuer Theatertechnik“, Grafikdesign von Friedrich Kiesler, Wien 1924

mit Peter Bogner und Gerd Zillner

Für kurze Zeit ist Wien eines der Zentren der Avantgarde: 1924 organisiert Friedrich Kiesler die „Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik“ im Rahmen des Musik- und Theaterfestes der Stadt Wien. Er trägt dafür einige hundert Theaterkonzepte, Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Plakate und Modelle u. a. aus Russland, Italien, Deutschland, Frankreich und Österreich zusammen. In der Ausstellung im Wiener Konzerthaus und bei den von Kiesler organisierten Veranstaltungen trifft das Who’s Who der Avantgarde aufeinander: Rudolf Belling, Fortunato Depero, Theo van Doesburg, George Grosz, Fernand Léger, El Lissitzky, Filippo Tommaso Marinetti, Wsewolod Meyerhold, László Moholy-Nagy, Oskar Schlemmer, Lothar Schreyer, Fritz Schuhmacher, Kurt Schwitters und viele andere mehr. Es kommt zu einem Austausch zwischen den Künstlern des Konstruktivismus, des Futurismus, der De-Stijl-Bewegung und des Bauhauses.

Ganz in der Tradition des allgestaltenden Künstlers der Wiener Moderne konzipiert Kiesler für die Ausstellungsarchitektur das Leger- und Trägersystem, eine flexible, frei im Raum stehende Konstruktion zur Präsentation von Objekten und Bildern. Er entwirft auch das Plakat, den Katalog und alle weiteren Drucksorten für die Ausstellung nach einem einheitlichen Konzept, steuert mit der spiralförmigen Raumbühne das zentrale Objekt der Ausstellung bei. Im begleitenden Katalog publiziert Friedrich Kiesler neben eigenen Texten zahlreiche Manifeste sowie Abbildungen der Theater- und Filmavantgarde.

Dieses einmalige Gastspiel der Avantgarde in Wien wird in einer konzen­trierten Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein Katalog präsentiert die Ergebnisse der jüngsten Forschung zu Friedrich Kieslers Schaffenszeit in Wien.

Schließen