Vienna Goes Wes

In der internationalen Kunstwelt nimmt Wien eine global einzigartige Position ein. Eine Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien liefert den Beweis dafür.

Preview zur Ausstellung in der Wien-Lounge auf der Art Basel in Basel im Juni 2018 © WienTourismus/Rainer Fehringer

Man hätte schon ahnen können, dass der US-amerikanische Regisseur und Filmproduzent Wes Anderson eines Tages in die Riege der internationalen Kunstkuratoren aufsteigen würde. In seinem 2014 erschienenen Film „Grand Budapest Hotel“ nämlich geht es unter anderem um ein Gemälde mit dem Titel „Jüngling mit Apfel“, das eines Tages dem Hotelconcierge Gustave H. vererbt wird. Das im Film gezeigte Bild ist ein Werk des englischen Malers Michael Taylor, der es nach genauen Vorgaben des Regisseurs anfertigte und sich dabei auf Vorbilder italienischer Manieristen stützte. Und Schnitt.

Auf Einladung des Kunsthistorischen Museum Wien musste Wes Anderson nun keine fiktiven Repliken in Auftrag geben, so doch tagelang durch die ehrwürdigen Museumshallen schreiten und die unzähligen unterirdischen Depots nach potenziellen Favoriten durchkämmen. Gemeinsam mit seiner Frau Juman Malouf, einer libanesischen Autorin und Kostümbildnerin, suchte er aus insgesamt vier Millionen KHM-Exponaten seine ganz persönlichen Lieblingswerke zusammen, die ab Anfang November in der Ausstellung „Wes Anderson and Juman Malouf: The Spitzmaus Mummy in a Coffin and Other Treasures“ zu sehen sind. Nachdem auf der Art Basel ein von WienTourismus initiiertes Kaffeehaus einen ersten Vorgeschmack auf die ungewöhnliche Schau gab, soll sie im Frühjahr 2019 nach Mailand in die Fondazione Prada übersiedeln. Und ja, unter den Exponaten findet sich auch der titelgebende Spitzmaussarg aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert.

„Die ungewöhnliche Kombination aus altem Kunstbegriff und neuen, innovativen Kurationsmodellen ist ein Zeichen dafür, welche einzigartige Position Wien in der internationalen Kunstwelt hat“, sagt Norbert Kettner, Direktor von WienTourismus. „Sie beweist, dass Wien längst nicht nur in der klassischen, sondern auch in der zeitgenössischen Kunstszene Fuß gefasst hat.“ Weltweit werden rund 28,5 Milliarden Euro bei Kunstauktionen umgesetzt. Ein Prozent davon – gleich viel wie in Deutschland oder in der Schweiz – geht allein in Österreich über den Tresen. Der Marktanteil ist frappant. „So gesehen gibt die Ausstellung ein perfektes Spiegelbild dieser Kunstmetropole wieder.“

Artikel von Wojciech Czaja:

Wojciech Czaja ist Dozent an der Universität für angewandte Kunst Wien, Architekturjournalist und Buchautor. Er schreibt über aktuelle Themen in Architektur, Stadtkultur und Immobilienwirtschaft. Zuletzt erschien sein Buch „Hektopolis. Ein Reiseführer in hundert Städte“.



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