Rendezvous mit Wien

Foto: © eSeL.at – Lorenz Seidler

… wenn zahlreiche Ateliers geöffnet sind, Museen, Kunstvereine und Galerien mit intensivem Programm aufwarten, Alternative Spaces mehr Sichtbarkeit erhalten, Talks und Panels für Gesprächsstoff sorgen. VIENNA ART WEEK und Bundeskanzleramt laden internationale Kuratorinnen und Kuratoren nach Wien ein. das weisse haus gestaltet das Programm.

Eine Einladung, an der VIENNA ART WEEK teilzunehmen und sie mitzugestalten, bedeutet immer auch, einen Denk- und Handlungsraum in Anspruch nehmen und definieren zu können, der sich temporär und mit gebündelter Energie für eine Woche manifestiert. Dazu gehören das vorbehaltlose Eintauchen und die offene Begegnung mit einem Ort, das Entdecken und Sich-Einlassen, um die Möglichkeiten auszuloten, das eigene Denken und Handeln in Beziehung zum Gegebenen zu setzen.

Schon 1962 sprach der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan vom „globalen Dorf“. Dass die Welt immer kleiner wird, ist jedoch erst seit der Jahrtausendwende für viele Menschen spürbare Wirklichkeit geworden. In der Kunstwelt ist Erfolg heute an ein erfolgreiches Agieren in lokalen und globalen Beziehungsstrukturen gekoppelt. Das Verhältnis „local – global“ zu managen wurde zu einer Kernkompetenz in der Kunst-Community, auch weil diese selbst verhältnismäßig klein und Vernetzung konstitutiv für ihr Funktionieren ist. Guten professionellen Beziehungen kommt längst ein unschätzbar hoher Wert zu. Das persönliche Zusammenkommen an einem Ort einmal im Jahr, wie es die VIENNA ART WEEK ermöglicht, festigt nicht nur Wiens Position als Kunststandort mit seinem Support-System für in Österreich lebende Künstlerinnen und Künstler, sondern stärkt auch seine internationale Wahrnehmung. Die Stadt selbst bekommt dadurch immer wieder frischen Aufwind. Inhaltlicher Input und Austausch gehen Hand in Hand mit dem Aufbau und der Pflege hochgehandelter persönlicher Netzwerke.

Die VIENNA ART WEEK bereitet den Boden dafür, Kontakte entstehen zu lassen, zu pflegen, zu intensivieren, indem sie zu einer lokalen Erfahrung einlädt – im Austausch für fruchtbare und gewinnbringende Verbindungen nach außen. Voneinander zu profitieren liegt im Interesse des eigenen Standortes gleichwie der geladenen Gäste, denn sowohl heimische Institutionen, Galerien, Künstlerinnen und Künstler als auch die geladenen Kuratorinnen und Kuratoren werden von anderen potenziellen Multiplikatoren wahrgenommen. Im besten Fall – wenn nicht kurzlebig, sondern nachhaltig gedacht – können diese Formen der Vernetzung, wie sie die VIENNA ART WEEK als Format und Medium forciert, Vorläufer und Übungsfelder für ein besseres Zusammenleben und gemeinsames Wirken in naher und ferner Zukunft sowie für den Umgang mit den Herausforderungen sein, die sie bereithält.

Diese Mischung aus inhaltlichem Ver­sprechen und Marketing, Vermittlung zwischen Kunst und Publikum sowie Aufhänger für Auseinandersetzung, Diskussion und die Verbreitung von Wissen und Information erfordert ein seismografisches Gespür für aktuelle Themen, Entwicklungen und Bedürfnisse. Die Aufgabe, jene beflügelnde Kraft von Ideen einzubringen, wird zumeist den Kuratorinnen und Kuratoren zugewiesen, die ihre Rolle auf verschiedene Weise ausfüllen – je nachdem, wer es ist, der eine Einladung bekommt und ihr folgt.

Max Andrews ist Ko-Gründer des Kuratorenbüros Latitudes, Barcelona, und Redakteur des Kunst­magazins Frieze, für das er seit 2004 ebenso regelmäßig schreibt wie für art-agenda, Mousse, Tate Etc., Untitled etc.
Andrews studierte Critical Fine Art Practice in Brighton und Curating Contemporary Art am Royal College of Art, London. Danach war er Curatorial Fellow am Walker Art Center, Minneapolis, und Assistenzkurator an der Tate Collection, London.

Mariana Cánepa Luna ist Ko-Gründerin des Kuratorenbüros Latitudes, Barcelona, und seit 2015 Vorstandsmitglied der Künstlervereinigung AAVC, die ebendort das Kunstzentrum Hangar betreibt. Zudem schreibt sie u. a. für art-agenda, Art&Co, Atlántica und Mousse. Studierte Kunst- und Filmgeschichte in Barcelona und Bologna sowie Curating Contemporary Art in London und war Assistenzkuratorin am Guggenheim Museum, New York, sowie Curatorial Fellow an der Serpentine Gallery, London.

Faivovich & Goldberg beschäftigen sich seit 2006 intensiv mit dem Forschungsprojekt „A Guide to Campo del Cielo“. Ausgehend von einem singulären Ereignis, dem sie minutiös auf den Grund gehen, beleuchten sie größere Themen, die mitschwingen: das Kräftespiel zwischen einem Objekt und seiner Dokumentation, die Komplexität institutioneller Geschichte und die schwierigen persönlichen, kulturellen und staatlichen Beziehungen, die aus Artefakten resultieren können.

FICTILIS ist eine Kooperation der Multimedia-Künstler und Kuratoren Andrea Steves und Timothy Furstnau, die projektbasiert in verschiedenen Medien und Bereichen zusammenarbeiten. Ihr Interesse liegt vor allem auf Sprache und Taxonomie, Materialismus und Abfallströmen, dem Sammeln und Ausstellen, Denkmalen und öffentlicher Erinnerung, politischer Ökonomie sowie den Zusammenhängen zwischen Gesellschaft und Umwelt. 2015 gründeten FICTILIS das Museum of Capitalism.

Samuel Leuenberger, freier Kurator, betreibt den Kunstraum SALTS in der Schweiz. Nach dem Masterstudium der Fine Arts in London arbeitete er u. a. in der Stephen Friedman Gallery, London, bei Christie’s Zürich, in der Kunsthalle Zürich und am Performance-Projekt „14 Rooms“ (Fondation Beyeler, Art Basel, Theater Basel). Seit 2016 Kurator des Parcours der Art Basel und Mitglied der Kunstkreditkommission des Kantons Basel-Stadt. Lehrt an der Zürcher Hochschule der Künste.

Avi Lubin ist Kurator der Hamidrasha Gallery, Tel Aviv, Leiter des Instituts für Theoretische Studien des Postgraduate-Lehrgangs Fine Arts an der Kunstfakultät Hamidrasha, Israel, und Gründungsherausgeber des Online-Kunstmagazins Tohu. Kuratiert Einzel- und Gruppenausstellungen, z. B. „The Hidden Passengers“ (Apexart, New York), „Fog“ (Kosova National
Art Gallery) oder „Circular Movements“ (Kunstverein KunstHaus Potsdam). Kurator des Israel-Pavillons bei der Biennale von Venedig 2019.

Stephanie Weber war von 2010 bis 2014 Assistenzkuratorin am MoMA, New York, und ist seit 2014 Kuratorin für Gegenwartskunst am Lenbachhaus, München. Dort kuratierte sie 2015 das Ausstellungs-, Publikations- und Restaurierungsprojekt zum Werk der Konzeptkünstlerin Lea Lublin (Justus Bier Preis für Kuratoren 2015) und organisierte mehrere Ausstellungen, u. a. „Rochelle Feinstein. I Made a Terrible Mistake“ (2016, Preis „Besondere Ausstellung“, AICA Deutschland).

Artikel von Synne Genzmer und Alexandra Grausam:

Synne Genzmer kuratiert, schreibt, organisiert für zeitgenössische Kunst. 2007–2012 kuratorisches Team Kunsthalle Wien, 2013/14 Publikationsmanagement Generali Foundation, 2017 Jubiläumsbuch das weisse haus. 2018 Mitarbeit „AWAY – a project around residencies“.

Alexandra Grausam leitet den Kunstverein das weisse haus, das Atelier- und Residenceprogramm studio das weisse haus, ist Projektleiterin von „AWAY – a project around residencies“ und Mitglied in Beiräten und Jurys sowie im Aufsichtsrat der Kunsthalle Wien.



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