Rationale Strenge

„Ich sehe mich nicht als Erfinder. Ich wähle und bearbeite bereits erfundene Dinge.“

Foto: Herwig Kempinger (li.), Präsident der Secession, und Ed Ruscha (re.) Foto: Mary Dean

Die Motive für seine Fotografien, Zeichnungen und Malereien findet er auf den Straßen des amerikanischen Westens. Seine Künstlerbücher machten ihn zu einem Vorreiter der Konzeptkunst. Nun präsentiert die Secession den einflussreichen Künstler Ed Ruscha in einer Einzelausstellung in Wien.

Ed Ruscha prägte ab den 1950er-Jahren die Kunstentwicklung in den USA und das aktuelle Verständnis von Gegenwartskunst entscheidend mit. In Abgrenzung von der gestischen Malerei des amerikanischen abstrakten Expressionismus entwickelte er seine künstlerische Praxis zwischen Minimalismus, Pop Art und Konzeptkunst. Innovation und Experiment sowie kritische Distanz und eine rationale, nichtemotionale Haltung prägen seinen Stil.

Ruscha hat sich mit Werken wie „Twenty­six Gasoline Stations“ (1963) und „Every Building on the Sunset Strip“ (1965) in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingeschrieben. In selbst konzipierten und herausgegebenen Künstlerbüchern wie diesen ordnete er sachlich aufgenommene Fotografien indexikalisch an und erstellte so Verzeichnisse des Lebens in Los Angeles und an der amerikanischen Westküste. Seine konzeptuellen Künstlerbücher machten Ruscha zu einem Vorreiter der Konzeptkunst. Auf die Frage, warum die Fotografie eine so wichtige Rolle in seinem frühen Werk einnahm, meint der Künstler, dass die Kamera in ihrer Unmittelbarkeit ein großartiges Instrument sei, um Ideen wiederzugeben.

Den größten Teil von Ruschas künstlerischer Praxis macht allerdings die Malerei aus. Sie zeichnet sich durch formale Reduktion und Strenge, durch die Zurücknahme gestischer und expressiver Formen aus. Der amerikanische Westen und Los Angeles sind seine zentralen Motivquellen, meist verschränkt mit gemalten Wörtern und Sätzen. Zu den Worten, die in seiner Malerei auftauchen, stellt Ruscha fest: „Zu schreiben beinhaltet zu erfinden, und ich sehe mich nicht als Erfinder. Ich wähle und bearbeite bereits erfundene Dinge.“ Was aber hält Ed Ruscha vom Label „Popkünstler“, mit dem er bis heute gern versehen wird? „Das Wort ,Pop‘ wurde zu Tode verwendet und ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Walter Hopps hat es durch die Bezeichnung ,New Painting of Common Objects‘ ersetzt, aber mir ist jedes Label recht.“

Neben Jasper Johns nennt Ruscha Futurismus und Dadaismus als wichtige Bezugspunkte seiner Arbeit. In ihrer Abkehr vom Naturalismus haben die Futuristen die Schönheit der technischen Welt und die ästhetische Idealisierung der Maschinen propagiert, denen sie den Vorzug vor den natürlichen Dingen gaben. Mehr noch als von den italienischen Futuristen fühlt sich Ruscha aber von der dadaistischen Kunst und ihrem Spiel mit Absurdität und Paradox angesprochen. Zu seinen Arbeiten meint der Künstler: „Ein roter Faden zieht sich durch mein gesamtes Werk. Manchmal fühlt er sich an wie ein Seil, dann wieder dünn wie Zahnseide.“

Artikel von :

Ed Ruscha
Zur Person: Geboren 1937 in Omaha (Nebraska), lebt und arbeitet in Los Angeles.
Hintergrund: Studium am Chouinard Art Institute Los Angeles (heute California Institute of the Arts), ab 1962 Publikation von Künstlerbüchern. Sein Werk umfasst Malerei, Zeichnung, Fotografie, Künstlerbücher und Filme. Arbeiten Ruschas sind in den Sammlungen zahlreicher Museen vertreten.



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