Hidden Treasures

Vielfach sind diese „Hidden Treasures“, von denen es in Österreich einige gibt, auch den Fachleuten nicht bekannt.

Foto: Heidi Horten © Heidi Horten Collection

In der ersten Jahreshälfte 2018 präsentierte das Leopold Museum mit der Ausstellung „WOW! The Heidi Horten Collection“ eine der außergewöhnlichsten europäischen Privatsammlungen zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit. Solche verborgenen Schätze gibt es hierzulande einige – sie für heimische Museen zu gewinnen, sollte Österreich ein Anliegen sein. Das Bewusstsein ist indes gering.

Die Präsentation der Heidi Horten Col­lection im Leopold Museum war ein großer Erfolg. Mit über 170 Werken bot die Ausstellung erstmals einen Einblick in die beeindruckende Privatsammlung mit Meisterwerken von Gustav Klimt über Andy Warhol bis Damien Hirst. Kuratiert wurde sie von Agnes Husslein-Arco, die seit Mitte der 1990er-Jahre die Sammlerin bei ihren Ankäufen berät.

„Sie lebt mit ihrer Kunst und sie liebt sie!“
Heidi Goëss-Horten, die selbst aus einem kunstaffinen Umfeld stammt, begann gemeinsam mit ihrem ersten Mann Helmut Horten zu sammeln. In dieser Zeit gelangten etwa frühe Arbeiten Picassos oder Werke deutscher Expressionisten in ihren Besitz. Nach dem Tod ihres Mannes intensivierte Goëss-Horten die Sammlertätigkeit. Heute umfasst die Sammlung Werke vom Fin de Siècle bis hin zu Zeitgenossen, die italienische Avantgarde ist mit großen Werkgruppen ebenso vertreten wie die Pop-Art oder Werke von Robert Rauschenberg, Georg Baselitz, Gerhard Richter und Mark Rothko. Zumeist über Auktionen gekauft, spiegle sich darin stets die persönliche Vorliebe der Sammlerin wider, so Husslein-Arco. „Sie lebt mit ihren Bildern“ – weshalb die doch lange Ausstellungsdauer keine Selbstverständlichkeit sei. Gleichzeitig war es jedoch ein lang gehegter Wunsch der Sammlerin, ihre Kollektion einem breiten Publikum und vor allem auch der Jugend zugänglich zu machen. Daher finanzierte sie nicht nur die Kosten der Ausstellung, sondern auch einen Gratiseintritt am Donnerstagabend, Sonderöffnungszeiten und ein umfangreiches Vermittlungs-, Kinder- und Schulprogramm, dessen kreative Resultate die Sammlerin mit großem Interesse verfolgte.

Für Wien war die Präsentation der Sammlung ein großer Impact und fand in vielen Medien internationale Beachtung. Dass es bereits Anfragen von renommierten internationalen Ausstellungshäusern gibt, verwundert nicht. Für den heimischen Kunstmarkt mit seiner Vielfalt an Galerien und Messen hatte die Ausstellung ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Außenwirkung, zeigte sie doch, dass es in Österreich auch große und wichtige Sammlungen und damit ein Käuferpotenzial gibt. Doch besteht die Chance, dass die Sammlung in Österreich bleibt? Bislang, so Agnes Husslein-Arco, gibt es dazu noch keine Pläne seitens der Sammlerin. Andererseits sei aber auch das Bewusstsein gering, dass es wichtig wäre, so eine bedeutende Sammlung für heimische Museen zu gewinnen.

Feine heimische Sammlungen
Dies zeigen Versteigerungen wie jene der Kollektion des Architekten Harry Glück – einer feinen Sammlung von Gemälden und Papierarbeiten, wie die Schätzwerte von Christie’s belegten. Auch sie wurde nicht für Österreich gesichert. Einbringer war die Generali Versicherung, der Harry Glück und seine Ehefrau Trixi Bach die Sammlung 1994 gegen Versicherungsleistung verkauften, wie die Tageszeitung Der Standard aus Anlass der Auktion dokumentierte.

Vielfach sind diese „Hidden Treasures“, von denen es in Österreich durchaus einige gibt, so Husslein-Arco, auch den Fachleuten nicht bekannt. Sie stellen jedoch ein großes kulturelles Erbe dar und umfassen Werke, die auf dem heutigen Kunstmarkt für Museen schlichtweg unerschwinglich sind. Doch die Museen benötigen Unterstützung, um solche Sammlungen aufnehmen zu können – sowohl personell als auch in Bezug auf das Budget. Das ist aus den vielfältigen Fundraising-Aktivitäten der Museen alleine nicht zu stemmen – und daher ist auch die Politik gefragt, ein Bewusstsein dafür im Land zu entwickeln.

Artikel von Silvie Aigner:

Silvie Aigner, Kunsthistorikerin, arbeitet als Autorin und Kuratorin vorwiegend im Bereich Gegenwartskunst und Kunst des 20. Jahrhunderts. Seit 2014 Chefredakteurin der österreichischen Kunstzeitschrift PARNASS.



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