Für alle Sinne

Donna Huanca schafft für ihre erste große Einzelpräsentation in Österreich eine Parallelwelt aus Skulptur, großflächiger Malerei, Videoarbeiten und Soundscapes. Es gehe ihr um „ein Gesamterlebnis, das alle Sinne anspricht“, so die bolivianisch-amerikanische Künstlerin.

Donna Huanca, Epithelial Echo, 2016 © Julia Stoschek Collection

Frau Huanca, können Sie uns einen Einblick in Ihre Ausstellung im Unteren Belvedere geben?
Donna Huanca: Diese Show habe ich speziell für die Räume des Unteren Belvedere entworfen. Es ist eine Installation aus Malerei, Skulptur, Video, Musik, Geruch und Modellen. In einem Raum arbeite ich mit lebensgroßen Marmorskulpturen aus der Belvedere-Sammlung. Die Installationen verändern sich während der Ausstellung. Nur zur Eröffnung werden 16 Modelle in allen Räumen gleichzeitig performen. Die Schau beginnt in einem hellen Raum und endet in einem mythisch dunklen Raum. Die nackten Körper der Modelle und die Frage nach Sinneslust stellen den Bezug zu Egon Schiele her.

Wie hat der menschliche Körper Einzug in Ihre Arbeit gehalten?
Donna Huanca: Bevor ich Malerei studiert habe, war ich Musikerin. Als Musikerin ging es immer um die Zusammenarbeit mit anderen Menschen und die Beziehung zwischen ihnen. Das ist der Kern meines künstlerischen Schaffens. Es war eine natürliche Entwicklung, den menschlichen Körper in meine Arbeit zu integrieren. Während der Eröffnung werden einige Modelle anwesend sein, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite.

Ist Musik ebenfalls ein Kernbestandteil ihrer Installationen?
Donna Huanca: Ja, aber auch Gerüche spielen eine wichtige Rolle. Meine Arbeiten brauchen ein Publikum vor Ort. Es geht um ein Gesamterlebnis, das alle Sinne anspricht, mit Ausnahme der Berührung.

Was inspiriert Sie?
Donna Huanca: Die Natur zu erfahren, die Zyklen und Regeln zu beobachten. Auch alte Kulturen inspirieren mich, und die Veränderungen, die die Zeit mit sich bringt. Ich kann mich an eine Zeit ohne Internet erinnern. Heute kommt kaum jemand mehr ohne aus. Mir ist die reale Welt wichtig und nicht die von Technologie getriebene. Es geht mir um reale Erfahrungen und darum, Erinnerungen zu erzeugen.

Artikel von Eva Komarek:

Eva Komarek ist Journalistin. Sie schreibt seit mehr als 20 Jahren über den Kunstmarkt sowie über Wirtschaft. In der Presse am Sonntag erscheint wöchentlich die Rubrik „Kunstmarkt“.

Donna Huanca
Zur Person: Geboren 1980 in Chicago, lebt und arbeitet in Berlin und New York.
Hintergrund: Studium der Malerei an der Städelschule in Frankfurt, der Skowhegan School of Painting & Sculpture in Maine und der University of Houston, Texas.
Highlights: 2016 Einzelschau in der Zabludowicz Collection in London.



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