Downtown Denise

„In ,Downtown Denise Scott Brown‘ geht es nicht um eine kritische Analyse, sondern um ein alle Sinne feierndes Erlebnis.“

Foto: The Las Vegas Strip / Denise Scott Brown

Das Architekturzentrum Wien (Az W) widmet sich ab November in einer großen Schau dem Werk der 86-jährigen amerikanischen Architektin Denise Scott Brown. Ausstellungsgestalter Jeremy Tenenbaum verrät, was die Besucher erwartet. Von Maik Novotny

Die Ausstellung über Denise Scott Brown wird speziell für das Az W konzipiert. Wie kam diese transatlantische Kollaboration zustande?
Jeremy Tenenbaum: Als Angelika Fitz 2017 Direktorin des Az W wurde, beschlossen sie und ihr Team, mehr Ausstellungen über Architektinnen zu zeigen. Statt sie in „Frauen bauen“-Gruppenausstellungen zusammenzufassen, sollen dabei individuelle Persönlichkeiten im Vordergrund stehen. Denise Scott Brown wurde ausgewählt, diese Reihe zu eröffnen, worüber wir uns natürlich sehr freuen. Es ist eine Anerkennung ihres enormen Einflusses auf die Architektur: als Frau, die Jahrzehnte der Architekturgeschichte erlebt und geprägt hat – und als ideale Leitfigur für jüngere Architektinnen.

Welches Konzept wird der Ausstellung zugrunde liegen?
Jeremy Tenenbaum: Wir nennen die Ausstellung „Downtown Denise Scott Brown“. Dabei geht es nicht um eine kritische Analyse, sondern um ein alle Sinne feierndes Erlebnis. Die Besucher sollen sich fühlen, als wären sie gemeinsam mit ihr vor Ort und sähen die Welt mit ihren Augen.

Wird eher das Werk oder die Person Denise Scott Brown im Mittelpunkt stehen?
Jeremy Tenenbaum: „Downtown“ umfasst alles, ihr Leben, ihre Ideen, ihre Entwürfe, Fotografien, Kollaborationen und das, was sie liebt. Das ganze Universum von Denise. Stellen Sie sich vor, Denise Scott Brown steht mitten auf einem Platz in der Stadt – und explodiert! Ihre Geschichte, ihre Idee, ihre Worte, all diese Teile von Denise wirbeln durcheinander, und sie schreibt sich so in den gesamten Platz ein.

Wird die Ausstellung thematisch oder chronologisch gegliedert sein?
Jeremy Tenenbaum: Weder noch, sie wird urbanistisch geordnet. Ich habe die Ausstellung als komplette städtische Umgebung entworfen, mit Ladenfassaden, einem tatsächlich betriebenen Café, einem Markt, Sitzmöbeln. Mittendrin ein großartiger Springbrunnen, aber mit digitalen Animationen statt Wasser. Fotografien und Texte – viele davon Denises eigene Worte aus Publikationen und Gesprächen – sind auf allen Oberflächen verteilt. Die Besucher bewegen sich durch den Saal wie durch einen öffentlichen Raum. Es gibt Attraktionen ebenso wie intimere Bereiche, in denen man sich in Ruhe den Inhalten widmen kann.

Was macht die Ausstellung für ein Wiener Publikum attraktiv, das vielleicht noch nicht von Denise Scott Brown gehört hat?
Jeremy Tenenbaum: Alle Besucher sollen sich willkommen und respektiert fühlen. Eine Architekturexpertin findet eine Fülle von Informationen aus erster Hand: Denises eigene Worte, ihre Fotografien, ihre dekorative Kunst, Unterlagen aus ihrer Lehrtätigkeit in den 1960er-Jahren. Damit kann man Stunden zubringen! Dem Besucher, der vielleicht noch nie von ihr gehört hat, bietet sich eine schöne Umgebung, in der er flanieren und Leute treffen kann.

Ist Denise Scott Brown in das Konzept der Ausstellung involviert?
Jeremy Tenenbaum: Ihre Beiträge und ihre Leitlinien sind maßgeblich. Sie und ich haben von Beginn an diskutiert. Sie hat gefragt: Wie werden die Exponate arrangiert? Wie bewegen sich die Leute durch den Raum? Seitdem hat sie das Konzept laufend durchgesehen und sich mit Angelika Fitz und Katharina Ritter vom Az W beraten. Sie wird auch selbst in der Ausstellung präsent sein: in Form von eigens gefilmten Interviews. Und in Gesprächen mit mir wird sie auf ihr Lebenswerk zurückblicken.

Artikel von Maik Novotny:

Maik Novotny geboren 1972 in Stuttgart, studierte Architektur in Stuttgart und Delft. Er lebt seit 2000 in Wien, ist Mitherausgeber mehrerer Bücher und schreibt regelmäßig über Architektur für Der Standard, Falter und Fachmedien.

Jeremy Tenenbaum
Zur Person: Geboren 1974 in New York City. Grafiker, Künstler und Autor.
Hintergrund: Studium an der Villanova University, Pennsylvania. Seit dem Jahr 2000 im Büro Venturi Scott Brown Architects & Planners (VSBA) in Philadelphia als Director of Marketing & Graphics tätig. Daneben arbeitet er mit diversen Partnern in visuellem Design zusammen und ist mit künstlerischer Fotografie und Illustrationen in zahlreichen Galerien vertreten.
Highlights: Zahlreiche Ausstellungsgestaltungen, wechselnde Installationen für die Storefront der Galerie Fabric Workshop and Museum (FWM) Philadelphia.



Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen

Schließen

Share your selection:
Add event to selection